21. November 2007

25 Mio “Datensätze” verloren

Selbst wenn man die geplanten Maßnahmen rund um die Vorratsdatenspeicherung und die Ausweitung der Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen bei gleichzeitiger Einschränkung fundamentaler Grundrechte einer Demokratie mal unbewertet lassen will, so sollte man sich dennoch folgenden Vorfall mal durch den Kopf gehen lassen:

Wie Heise heute (21.11.2007) berichtet, sind der britischen Behörde HM Revenue and Custom, verantwortlich für Steuerfragen und für Wohlfahrtsprogramme, bereits am 18. Oktober 2007 zwei Datenträger mit den Daten von 25 Millionen britischen Bürgern abhanden gekommen.

Diese sollten auf postalischem Wege an das National Audit Office versandt werden, wo sie leider nie ankamen. Die Daten enthielten Namen, Anschriften, Geburtsdaten, nationale Versicherungsnummern und teilweise Informationen zu Bankverbindungen von Haushalten, deren unter 16 Jahre alte Kinder Kindergeld bezogen.

Allein diese Daten sind für diverse Leute mit entsprechender krimineller Energie bares Geld wert, eröffnen sie doch Missbrauch Tür und Tor. Eines der großen Probleme des Internet ist der Identitätsdiebstahl. Hierbei versucht man durch Erlangung wichtiger Daten anderer Menschen sich als eben diese auszugeben und zum Beispiel auf deren Kosten Geschäfte abzuwickeln oder sie anderweitig zu schädigen.

Ungeachtet aller übrigen Kritik zeigt dieses Beispiel wieder einmal, wie gefährlich es ist, wenn Datensammelwut und Inkompetenz aufeinandertreffen.

Wie sehr die Verantwortlichen um die Sicherheit der betroffenen Menschen bedacht sind, zeigt, dass das Management von HM Revenue and Customs erst am 8. November und der Schatzkanzler erst am 10. November von der Panne erfuhren.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die betroffenen Personen nicht informiert und bis heute weiß man nichts über den Verbleib der Datenträger…

19. September 2007

Das Ende der Privatsphäre

Aus diversen aktuellen Anlässen mal eine Buchempfehlung:

Das Ende der Privatsphäre

Das Ende der Privatsphäre

Peter Schaar ist Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit und sollte daher ziemlich genau wissen, wovon er spricht.

Seiner Meinung nach ist es “höchste Zeit, dass wir aufwachen”, da die Privatsphäre nicht nur durch staatliche
Kontrollen, sondern auch durch wirtschaftliche Interessen und technologische Entwicklungen, einer zunehmenden Bedrohung auszgesetzt würde. Zudem spricht er von einem Gewöhnungseffekt, was Überwachung und Datenerfassung angeht.

Dabei weist er darauf hin, dass es eben nicht nur die kleinen Einzelmaßnahmen sind, die sich leicht erdulden lassen, seien es Videoüberwachung, Erfassung der Verbindungsdaten, die Positionserfassung von Handys oder die Erhebung von Daten betreffend das Konsumverhalten. Die Hauptgefahr besteht in der Kombination dieser Daten, die so zu einem lückenlosen Bild eines jeden Bürger zusammengefügt werden können.

Ein Problem besteht für ihn daran, dass die meisten Menschen gar nicht überblicken können, welche Datenmengen über sie angehäuft und welche Informationen hieraus gewonnen werden können.

Die Privatsphäre ist seiner Ansicht nach die wesentliche Voraussetzung für eine freie Meinungsbildung und somit einer freien Gesellschaft.

Die umfassende Kontrolle der  öffentlichen, wie auch der privaten Sphäre  sind seit jeher Merkmale von totalitären Systemen.

05. September 2007

Man nannte das Rechtsstaat…

Ein wirklich sehr eingängiger und gut zu lesender Artikel aus dem NZZ Folio.

Besonders lesenswert für alle, die nichts zu verbergen haben.

Der Terrorist als Gesetzgeber

Der Autor beschäftigt sich mit dem Thema “Innere Sicherheit” und den damit einhergehenden zunehmenden Überwachungsmaßnahmen, bezwiehungsweise der damit verbundenen Auflösung des Rechtsstaates.

Wie ich finde eine sehr gute und sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die gerade deswegen um so mehr beunruhigt. LESEN!

22. Juli 2007

Und noch ne Panne diesmal bei DSL Anbietern

Wie in der kommenden c’t Nr. 16 vom 23. Juli 2007 zu lesen sein wird, gab es wohl bei einzelnen DSL-Anbietern kleine technische Probleme, die zu einem sogenannten Netzwerkkurzschluss führten.

Demzufolge ist dieser Fehler bei Anschlüssen des Anbieters Alice-DSL in den Städten aufgetreten, in denen der Anbieter auf das Netz der Firma Telefonica zurückgegriffen hat.

Da bei vielen Providern die Infrastruktur auf Ethernet basiert und das bei DSL verwendete ATM im Endeffekt nur eine Erweiterung dieser Technik ist, sind die DSL-Modems permanent mit dem DSL-Provider verbunden, auch wenn man sich nicht ins Internet “eingewählt” hat. Eigentlich findet keine Einwahl statt, sondern man authentifiziert sich lediglich.

Durch Fehlkonfigurationen der Switche beim Netzbetreiber kann es nun passieren, dass die angeschlossenen Benutzer nicht sauber voneinander getrennt werden und Rechner im selben Subnetz hängen. Somit sind die Rechner miteinander transparent vernetzt. Jede Freigabe im eigenen Netz wird so auf die anderen per DSL verbundenen Rechner ausgeweitet, was sehr unschön sein kann.

Zum Glück betraf das wohl bisher nur wenige Kunden. Abhilfe schafft hier in jedem Fall ein zwischengeschalteter Router. Man sollte grundsätzlich einen Router für die Internetverbindung benutzen, denn dieser bietet zumindest einen rudimentären Schutz vor Angriffen aus dem Netz und wie in diesem Fall auch vor unfreiwilligen Datei-Freigaben an andere Internet-User.

Mehr zu lesen findet man hier:

heise.de
golem.de

15. Juli 2007

Britische Polizei erhält BWV (body worn video)

Die Briten haben ja bekanntermaßen einen Hang zur Videoüberwachung, bereits 2006 wurde statistisch jeder Einwohner Londons an einem normalen Tag durchschnittlich von 300 Videokameras erfasst.

Doch nun scheinen da echt alle Dämme zu brechen. Laut einem Bericht auf heise werden Polizisten in Wales und England mit am Körper, sprich Helm, befestigten Videokameras ausgestattet, mit denen sie zum Beispiel Verhaftungen filmen sollen.

Auf eine Art könnte man diesen Schritt sogar begrüßen. Polizisten, die Ihre eigene Arbeit filmen, werden sich wohl eher an die Vorschriften halten, als vermummte Einsatztrupps. Dies scheint auch durch Zahlen belegt, wonach bisher kein mit BWV ausgerüsteter Polizist wegen Fehlverhaltens angezeigt wurde. Wobei natürlich niemand dafür garantieren kann, dass einen Polizisten belastendes Videomaterial jemals bei irgendeinem Gericht ankommen wird.

Allerdings geht nun wieder ein Stück Freiheit verloren, denn wer weiß schon, wann die Kamera an ist, wen sie alles erfasst? Der Überwachungsstaat wird also wieder ein Stück weiter ausgebaut. Auf der anderen Seite kennt man genug Vorfälle, in denen die Behörden es mit dem Datenschutz nicht so genau nahmen. Und wer weiß ob solche Videos nicht morgen bei YouTube oder einem ähnlichen Portal auftauchen? Beispiele aus den USA findet man jedenfalls zur Genüge.

Generell finde ich die Idee eines BWV ja nich mal schlecht. Ab und an habe ich auch eine Kamera im Auto installiert, allerdings ist das ganze doch eher noch eine wacklige Angelegenheit, weil mir eine vernünftige Autohalterung fehlt. Interessant finde ich ja auch die Oregon ScientificAction Kamera ATC 2000 Diese kann an Helm oder Fahrradlenker oder auch im Auto an geeigneter Stelle befestigt werden und nimmt mit einer Auflösung von 640×480 Pixeln auf eine SD-Card auf.

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